Meine Welt steht Kopf, und die Aussicht ist faszinierend und beängstigend zugleich
Ende April 2024 kehrte ich nach einer für mich ungewöhnlich langen Urlaubszeit zurück nach Sharjah und zurück an den Schreibtisch. Die letzten Wochen im Ramadan mit einigen Tagen Verlängerung nach dem Eid hatten wir in Kairo verbracht.
Am Montag nach meiner Rückkehr freute ich mich auf meinen regelmäßigen one-on-one call mit Dennis, neugierig, was während meiner Abwesenheit so alles passiert war. Dennis musste auf den nächsten Tag verschieben, zunächst mal nichts Ungewöhnliches.
Als wir am Dienstagmorgen dann den call begannen, schoss mir als erstes durch den Kopf: „Hey, Dennis, du siehst scheiße aus. Was ist passiert?“
Doch bevor ich etwas sagen konnte, sagte Dennis:
„Sorry, für die Verschiebung, aber heute wird jemand von der Personalabteilung an unserem Gespräch teilnehmen.“
In diesem Moment wusste ich, dass ich dabei war, beim großen Stellenabbaus. Ich wurde gefeuert. Meine Welt stand plötzlich Kopf.
Für den Rest des Meetings fühlte ich mich wie ein Beobachter aus dem Orbit, der durch einen nebligen Filter zusah, wie die Welt umgekrempelt wurde.
Die HR Kollegin teilte mir umgehend mit, dass meine Position gestrichen worden war und dass ich mit sofortiger Wirkung in den bezahlten Sonderurlaub versetzt wurde. Dennis war gezwungen, eine vorbereitete Erklärung vorzulesen, in der die Ausrichtung des Unternehmens auf KI und andere Faktoren genannt wurden. Ich nahm die Details kaum wahr. Seine Stimme erreichte mich gedämpft, wie durch Watte oder Ohrstöpsel.
Kurz gesagt: Das war erst der Anfang von vielen fundamentalen Veränderungen, die auf mich warteten.
Deshalb bin ich jetzt in Kairo und navigiere durch ein neu zu gestaltendes Leben. Fange wieder mal von vorne an, in einem fremden Land und unbekannten Gewässern – und das mit 60.
Dieser Blog ist der Versuch, meine Erfahrungen in Kairo zu teilen:
Es gibt ein Leben außerhalb der westlichen Unternehmenswelt, das jede Vorstellungskraft übersteigt. Für mich ist es absolut faszinierend wie Menschen so völlig anders leben – und überleben.
Bevor ich hierher nach Kairo kam, dachte ich immer, ich hätte während meiner Besuche im Sudan, Uganda oder Südafrika schon einiges gesehen, was der durchschnittliche Otto Normal-Verbraucher nie kennenlernen würde oder sich überhaupt vorstellen kann.
Weit gefehlt!
In meinem neuen Leben passiert fast jeden Tag etwas Faszinierendes und manchmal Beängstigendes, das ich so noch nicht gesehen habe.
Dieser Blog ist in erster Linie ein Journal für mich selbst.
Und vielleicht auch eine interessante Lektüre für andere.
Bild: Generiert mit Gemini (Imagen3)