Da hat’s mich mal wieder voll erwischt. Hab mir von meiner Frau nahtlos die Erkältung übernommen. Jetzt sitz ich hier in Dokki mit ’ner laufenden Nase und denk mal wieder über unser Krankenversicherung nach.
Als ich gefeuert wurde, war auch Ende mit unserer Krankenversicherung.
Anders als in Deutschland ist das Gesundheitssystem in den Emiraten mehr oder weniger eine Privatversicherung. Es gibt zwar erste Schritte in Richtung staatlich Krankenversicherung, und für die ganzen „Blue-Collar“-Arbeiter gibt’s auch so eine Art Pflichtversicherung.
Aber ehrlich gesagt: Das ist nur ein Feigenblatt für die moderne Form von Sklaverei, die in den reichen arabischen Ländern gang und gäbe ist.
In meinem Job ist Krankenversicherung eine Leistung vom Arbeitgeber.
Job weg, Versicherung weg.
Jetzt fragt ihr euch bestimmt: „Warum haste denn jetzt keine Krankenversicherung mehr? Kannst’e doch selbst organisieren.“
Na, ratet mal, was passiert, wenn man mit 60 Jahren versucht, in ein private Krankenversicherung reinzukommen?
Richtig: Man soll eine Beitragsprämie zahlen, die jenseits von Gut und Böse ist.
Uns wurde angeboten, die Versicherung weiterzuführen, für ungefähr 54.000 Dollar im Jahr (4.500 Dollar im Monat). Na, vielen Dank!
Für das Geld kann ich in Dubai ’ne Menge Arztbesuche, Laboruntersuchungen und Medikamente bezahlen.
Und in Ägypten ist das Ganze noch mal viel günstiger.
Es haut mich echt um, wenn ich die Medikamentenpreise vergleiche.
Für meine aktuelle Erkältung hab ich mir Panadol Cold & Flu für 76 Ägyptische Pfund (LE) geholt, 24 Tabletten.
Nach dem aktuellen Wechselkurs hab‘ ich dafür gerade mal ungefähr 1,50 Dollar oder 1,40 Euro gezahlt, für die lokal hergestellten Tabletten.
Und jetzt vergleicht das mal mit den Preisen in Deutschland.
Für 24 Tabletten zahlt man da 13,60 Euro oder 747 Ägyptische Pfund!
Fast das Zehnfache für die in Deutschland hergestellten Tabletten.
Selbst in den Emiraten, wo die Medikamente aus Spanien importiert werden, ist es viel günstiger als in Deutschland, so um die 22 AED / 5,53 Euro.
Das sind immer noch ungefähr 300 Ägyptische Pfund.
Aber wenn du hier in Kairo in eine Apotheke wie El Ezaby gehst, um sicherzustellen, dass du das importierte Medikament (auch aus Spanien) bekommst, zahlst du immer noch die gleichen 76 LE, weil die Preise fest und staatlich geregelt sind.
Echt der Wahnsinn.
Geht also besser ohne fette Krankenversicherungsprämie.
Und nebenbei, hier bekomme ich mein Metformin auch ohne Rezept über die Theke.
Bei einem meiner letzten Besuche in Deutschland musste ich meine Medikamente aufstocken. Das hat dann fast einen ganzen Tag, unter anderem mit Besuch in der Notarztpraxis, gedauert, und mehr als 100 EUR gekostet, weil für Metformin in Deutschland Rezeptpflicht besteht.
Zum Glück haben wir auch Mediziner in der Familie: Die jüngere Schwester meiner Frau ist Allgemeinmedizinerin, und der jüngster Bruder ist Apotheker.
Nur Zahnbehandlungen und Operationen sind so ’n bisschen das Worst-Case-Scenario.
Tock, Tock, ich klopfe mal auf Holz.
Da kümmern uns dann drum, wenn’s soweit ist.
Oder wie die Iren sagen:
„We cross the bridge, when we come to it“.
Original-Sprache: Englisch
Übersetzungshilfe: Gemini
Revision und Ergänzungen in Muttersprache ;-)